Abb. 1: Injektion der Bindehaut beim Trockenem Auge
Die Integrität der Augenoberfläche
wird durch verschiedene Systeme gesichert, wobei hier die Tränenflüssigkeit
vielfältige Aufgaben besitzt. Einerseits ist der Tränenfilm
für die Benetzung der empfindlichen Horn- und Bindehaut verantwortlich
und anderseits versorgt er diese mit Nährstoffen und Sauerstoff.
Des Weiteren enthält die Tränenflüssigkeit Enzyme,
Antikörper und andere komplexe Abwehrstoffe, die verschiedene
Mikroorganismen abwehren können.
Wie ist der Tränenfilm aufgebaut?
Der normale Tränenfilm des Auges wird durch verschiedene Drüsen
gebildet und besteht aus drei Schichten:
1. Fettschicht (Verdunstungsschutz)
Die äußere Fettschicht stabilisiert die Tränenflüssigkeit
und verhindert die Verdunstung der wässrigen Schicht.
2. Wässrige Schicht (Transportaufgaben, Infektionsschutz)
Die wässrige Schicht macht den größten Anteil
der Tränenflüssigkeit aus. In ihr sind viele Nährstoffe,
Eiweiße, Enzyme und Antikörper enthalten.
3. Schleimschicht (Haftung, Benetzung)
Die Schleimschicht befindet sich direkt auf der Augenoberfläche
und wird von schleimproduzierenden Zellen, auch Becherzellen genannt,
vorwiegend produziert. Sie sind unter anderem für die gute
Haftung der wässrigen Schicht auf der Hornhaut verantwortlich.
Abb. 2: Schleimproduzierende Becherzelle der Bindehaut
(Elektronenmikroskopische Aufnahme)
Wodurch entsteht ein Trockenes Auge?
- Zunehmendes Alter
-
Hormonelle Umstellungen, wie z.B. in den Wechseljahren können die
Bildung der Tränenflüssigkeit vermindern
-
Umwelteinflüsse: Ozon, Wind, Abgase, Rauch
-
Medikamente
-
Systemerkrankungen: Rheuma, Hauterkrankungen, Sjögren-Syndrom, Vitamin
A Mangel, etc
-
Chronische Lidrandentzündung
-
Lidfehlstellungen
Sowohl ein Mangel der Tränenmenge als auch eine Veränderung der
qualitativen Zusammensetzung und eine Verteilungsstörung des Tränenfilms
können zu einem Trockenen Auge führen. Infolge der schlechten Befeuchtung
der Hornhaut reißt der Tränenfilm schneller auf, so dass kleinere
und größere Defekte an der Hornhautoberfläche mit einem Schrankenverlust
entstehen können. Schwerwiegende Folgen des Trockenen Auges treten
selten auf, können jedoch bei einer Geschwürsbildung der Hornhaut
zu einem deutlichen Sehverlust führen.
Welche Symptome treten beim Trockenem Auge auf?
- Die häufigsten Beschwerden sind:
-
Trockenheitsgefühl
-
Stechen, Kratzen, Brennen
-
Sandkorn- bzw. Fremdkörpergefühl
-
Rötung der Bindehaut
- Lichtscheu, Verschwommensehen
- müde Augen
- verklebte Lider (insbesondere morgens)
Welche diagnostischen Methoden werden angewandt? Untersuchungen
des Auges mit dem Mikroskop (Spaltlampe) Mit Hilfe der Spaltlampe
wird die gesamte Augenoberfläche beurteilt und dem Trockenen Auge
assoziierte Veränderungen beschrieben (Rötung, Bindehautfalten,
Narben, etc)
Abb. 3: Lidkanten-parallele Bindehautfalten als Zeichen des Trockenen
Auges
Schirmer-Test
Die Produktion der Tränenflüssigkeit kann man mit Fliespapierstreifen
messen, die in das untere Augenlied eingehängt werden.
Fluoreszein Clearance Test
Dieser Test misst den Umsatz der Tränenflüssigkeit und
analysiert die reaktive Tränenproduktion nach Reizung der
Nasenschleimhaut.
Transillumination der Lider
Mit einer speziellen Lichtfaser werden die Augenlider durchleuchtet
und die Beschaffenheit und Anzahl der fett-produzierenden Drüsen
(Meibom-Drüsen) beurteilt.
Break-up time
An der Spaltlampe wird die Tränenfilm-Aufreißzeit als
ein wichtiger Parameter der Tränenfilmstabilität analysiert.
Fluoreszein und Bengal-Rosa-Färbungen
Diese Vitalfärbungen dienen der Überprüfung der
Horn- und Bindehaut auf oberflächliche Schäden.
Impressionszytologie
Mikroskopischer Nachweis und Klassifizierung von morphologischen
Veränderungen der Bindehaut beim Trockenen Auge
Abb.4 Abklatschpräparat (Impressionszytologie) der normalen
Bindehaut
Abb. 5: Abklatschpräparat (Impressionszytologie) eines schweren
Trockenen Auges
Wie wird das Trockene Auge behandelt?
Allgemein:
- Liderkrankungen (Lidfehlstellugen, -entzündung) sollten adäquat
behandelt werden.
-
Systemerkrankungen werden von den entsprechenden Fachdisziplinen
(Rheumatologie, Innere Medizin, Dermatologie, Immunologie, etc.)
mitbetreut.
-
Das Sjögren-Syndrom erfordert somit auch eine multidisziplinäre
Betreuung.
-
Wichtig ist in jedem Falle eine konsequent durchgeführte Therapie.
-
Augenärztliche Kontrolluntersuchungen sind ebenfalls wichtig.
Tränenersatz:
- "Künstliche Tränen" werden gerne als Tränenersatz eingesetzt.
-
Konservierungsmittelfreie Augentropfen sollten zur Schonung der
Augenoberfläche eingesetzt werden.
-
Verschluß der Tränenpünktchen mittels Punctum plugs (Plastikstöpsel).
Somit wird eine Erhöhung der verfügbaren Tränenmenge erzielt.
-
Augentropfen mit gefäßverengenden Wirkstoffen, sog. Weißmacher,
sollten vermieden werden.
- Medikamentöse Steigerung der Tränenproduktion durch
-
Eloisin® - Augentropfen
-
Salagen® - Tabletten
Andere Therapieformen
- Anti-entzündlich wirksame Augentropfen und Medikamente
-
Augentropfen hergestellt aus Eigenblut als Tränenersatz bei schweren
Benetzungsstörungen
-
Lidkantenpflege bei chronischen Lidentzündungen
-
Schutzbrillen mit feuchter Kammer, die somit einer verstärkten Verdunstung
des Tränenfilmes entgegenwirken können.
Weitere Empfehlungen
- Räume mehrmals täglich lüften
-
Luftbefeuchter verwenden
-
Gebläse in Fahrzeugen vermeiden
-
Viel trinken (ca 2 l/ Tag)
-
Kein Nikotinkonsum
Anschrift des Verfassers:
Prof. Dr. med. Daniel Meller, FEBO
Zentrum für Augenheilkunde
Abteilung für Erkrankungen des vorderen Augenabschnittes
Universitätskklinikum Essen
Hufelandstr. 55
45122 Essen
Email:
daniel.meller@uk-essen.de
Tel: 0201 - 723 - 2931
Fax: 0201 - 723 - 5979