|
Refraktive Chirurgie:
Begriffsdefinitionen
Aufbau des Auges / Anatomie
Der Aufbau des normalen menschlichen Auges, von der Seite betrachtet,
ist in Abbildung 1 dargestellt. Die durchsichtige Hornhaut bildet
den vorderen Abschluß des Auges. Von links nach rechts im
Bild folgt als nächstes die Regenbogenhaut mit der Pupille.
Direkt dahinter liegt die Linse, ganz rechts im Bild ist die Netzhaut
dargestellt.
Abb. 1: Aufbau eines normalsichtigen Auges: Hornhaut, Pupille, Linse,
Netzhaut
parallele Lichtstrahlen bündeln sich im Brennpunkt auf der
Netzhaut
Der Aufbau des Auges ist sehr gut mit dem einer Photokamera vergleichbar.
Die Hornhaut wirkt wie eine gläserne Linse und entspricht
der vordersten Linse des Kameraobjektives. Die Pupille entspricht
der Blende der Photokamera. Die Linse des Auges entspricht den
übrigen gläsernen Linsen, die in einem Kameraobjektiv
eingebaut sind. Die Netzhaut schließlich ist mit dem Film
in einer Photokamera vergleichbar.
Kurzsichtigkeit / Myopie
Bei einem kurzsichtigen Auge sind nun die einzelnen Teile des Auges
nicht exakt aufeinander abgestimmt. Die Brechkraft der Hornhaut
ist zu hoch, die Lichtstrahlen werden bereits vor der Netzhaut gebündelt,
auf der Netzhaut entsteht also nur ein unscharfes, verwaschenes
Bild.
Die von einem entfernten Gegenstand, z.B. einer Straßenlaterne,
ausgehenden Lichtstrahlen treffen sich vor der Netzhaut, der Brennpunkt
des Auges liegt weit vor der Netzhaut. Die Laterne wird daher unscharf,
verschwommen, gesehen. Andererseits kann der Kurzsichtige in geringer
Entfernung einwandfrei scharf sehen, da dann die von nahen Objekten
ausgehenden Lichtstrahlen auf der Netzhaut gebündelt werden.
Die Kurzsichtigkeit kann z.B. durch eine Brille oder Kontaktlinsen
korrigiert werden. Die Brillengläser verringern die zu hohe
Brechkraft der Hornhaut um einen gewissen Betrag. Daher spricht
man bei Brillengläsern für Kurzsichtige auch von "Minusgläsern".
Die Brechkraft dieser Brillengläser wird in "Dioptrien"
angegeben, z.B. "-2.0 dpt". Wird ein kurzsichtiges Auge
mit einem Brillenglas korrigiert, so werden die Lichtstrahlen
auf der Netzhaut gebündelt, der Kurzsichtige sieht mit Brille
scharf. Dasselbe geschieht mit einer Kontaktlinse, die ebenso
eine Minusbrechkraft beinhaltet.
Abb. 2: Kurzsichtigkeit
Weitsichtigkeit / Hyperopie
Bei einem übersichtigen bzw. weitsichtigen Auge ist die Brechkraft
der Hornhaut bzw. des Auges zu gering oder das Auge ist zu kurz.
Die Lichtstrahlen werden daher erst hinter der Netzhaut gebündelt,
auf der Netzhaut entsteht nur ein unscharfes Bild der Umwelt.
Anders als beim kurzsichtigen Auge kann die Weitsichtigkeit bis
zu einem gewissen Alter durch die Augenlinse ausgeglichen werden.
Die Augenlinse kann sich verformen und dadurch ihre Brechkraft
erhöhen, was die zu geringe Brechkraft des übersichtigen
Auges beim Blick in die Ferne ausgleicht. Übersichtige Menschen
sehen daher bis ins mittlere Alter in der Ferne meist gut. Nur
bei sehr starker Übersichtigkeit muss bereits in der Jugend
eine Brille getragen werden.
Andererseits kommt es bei Übersichtigen früher zu einem
Nachlassen der Lesefähigkeit. Zum Lesen muss sich nämlich
die Augenlinse ebenfalls verformen (siehe "Alterssichtigkeit").
Beim Übersichtigen wird ein Teil dieser Verformungsfähigkeit
bereits beim Blick in die Ferne benötigt. Zum Lesen steht
daher nur ein geringerer Teil zur Verfügung. Da mit zunehmendem
Alter die Verformungsfähigkeit der Augenlinse nachlässt,
benötigen Übersichtige früher eine Lesebrille als
Normalsichtige. Im hohen Alter wird dann zusätzlich eine
Brille für die Ferne erforderlich, da die Verformungsfähigkeit
der Augenlinse so stark nachgelassen hat, dass auch kein scharfes
Bild für die Ferne mehr erzeugt werden kann.
Abb. 3: Weitsichtigkeit
Stabsichtigkeit / Astigmatismus
Zusätzlich zur Kurzsichtigkeit oder Übersichtigkeit
besteht häufig ein sog. Astigmatismus, auch Stabsichtigkeit
genannt. Ein Astigmatismus entsteht durch eine ungleichmäßige
Krümmung der Hornhautoberfläche. Die normale Hornhaut
ist, wie die Linse einer Photokamera, halbkugelförmig. Daher
werden sowohl senkrechte als auch waagerechte Linien scharf abgebildet.
Eine punktförmige Lichtquelle, z.B. eine Straßenlaterne,
wird auch als heller Punkt abgebildet. Ist die Hornhaut nun nicht
halbkugelförmig, sondern eher elliptisch, also wie ein Rugbyball
geformt, wird das Bild verzerrt. Ein Punkt wird beispielsweise
nicht als Punkt, sondern als kleiner Strich abgebildet.
Abb. 4: Strahlenverlauf und Lage der Brennlinien
bei einem Auge mit Astigmatismus
Alterssichtigkeit / Presbyopie
Mit zunehmendem Alter lässt bei jedem Menschen die Fähigkeit
der Augenlinse nach, sich automatisch auf unterschiedliche Entfernungen
scharf zu stellen. Zu Beginn hilft es noch, die Zeitung weiter
weg zu halten, später braucht jeder normalsichtige Mensch
im Alter (ab ca. 45 Jahre) eine Lesebrille für die Nähe.
Diese Zusammenhänge sind gerade für kurzsichtige Menschen
sehr wichtig. Wer z.B. gering kurzsichtig ist (ca. -2 bis -3 Dioptrien)
braucht immer eine Brille, um in der Ferne scharf zu sehen. Im
Alter ist diese Brille ebenfalls für die Ferne erforderlich.
Zum Lesen kann diese Brille jedoch einfach abgenommen werden,
der Betreffende kann dann ohne Brille lesen. Die geringe Kurzsichtigkeit
ermöglicht also im Alter das Lesen ohne Brille, für
die Ferne (d.h. zum Autofahren, Fernsehen, etc.) muss jedoch immer
eine Brille getragen werden. Wird jetzt die bestehende Kurzsichtigkeit
durch eine Operation ausgeglichen, kann ohne Brille in der Ferne
scharf gesehen werden. Mit zunehmendem Alter tritt jedoch wie
bei jedem anderen Menschen die Alterssichtigkeit auf, eine Lesebrille
wird erforderlich.
|