Hornhautbank: Funktion und Struktur
Die Struktur der Hornhaut
Anders als die meisten Gewebe des Körpers enthält die
Hornhaut keine Blutgefäße, die sie ernährt oder
gegen Infektionen schützt. Vielmehr bezieht die Hornhaut ihre
Nährstoffe aus der Tränenflüssigkeit und aus dem
Kammerwasser direkt hinter der Hornhaut. Die Hornhaut muss transparent
bleiben, um Licht richtig brechen zu können und um so ein gutes
Sehvermögen zu ermöglichen.
Abb.: Klare Hornhaut mit glatter Oberfläche
Abb.: Aufbau einer Hornhaut: (a) Epithel, (b) Stroma, (c) Endothel,
(d) Bowman Membran, (e) Deszemet Memban
Abb.: Hornhautendothel eines 65jährigen Hornhautspenders
nach 17 Tage Kultivierung in der Hornhautbank
Welche Funktion hat die Hornhaut?
Da die Hornhaut glatt und klar ist wie Glas, gleichzeitig jedoch
fest und widerstandsfähig, dient sie dem Auge in zweierlei
Hinsicht:
Sie schützt den gesamten Augapfel vor Keimen, Staub und anderen
schädlichen Einflüssen. Unterstützend wirken hier
die Augenlider, die Tränenflüssigkeit sowie die Lederhaut
(der weisse Anteil des Augapfels).
Die Hornhaut wirkt als äußere Linse des Auges. Sie
funktioniert wie eine Lupe, die den Lichteinfall in das Auge kontrolliert
und fokussiert, sie trägt mit 65-75% zur Gesamtbrechkraft
des Auges bei.
Einfallendes Licht trifft auf die Hornhaut und wird das erste
Mal gebrochen. Von der Hornhaut aus fällt das gebrochene
Licht durch die Linse auf die Netzhaut, eine Schicht lichtempfindlicher
Nervenzellen am Augenhintergrund, welche Licht in Sehkraft "übersetzt".
Um ein klares Bild zu erzeugen, müssen die Lichtstrahlen
durch Hornhaut und Linse präzise gebrochen werden, um gebündelt
auf die Netzhaut zu treffen. Die Netzhaut konvertiert daraufhin
Licht in Nervenimpulse, die durch den Sehnerven in die Sehrinde
des Gehirn geleitet werden. Der brechende (= refraktive) Vorgang
ist ähnlich dem eines Fotoapparates: Hornhaut und Linse sind
der Kameralinse vergleichbar. Die Netzhaut stellt gewissermassen
den Film dar. Wird ein Gegenstand nicht richtig scharf gesehen
('fokussiert'), erhält der Film (die Netzhaut) eine verschwommene
Abbildung.
Weiterhin wirkt die Hornhaut wie ein Filter, der einige der gefährlichsten
UV-Strahlen des Sonnenlichts abschirmt. Ohne diesen Schutz wären
Linse und Netzhaut sehr viel anfälliger für eine Schädigung
durch UV-Strahlung.
Wie reagiert die Hornhaut auf Verletzungen?
Die Hornhaut zeigt bei kleinen Verletzungen oder Verlusten der obersten
Zellschicht eine ausgeprägte Heilungstendenz. Ist die hochempfindliche
Hornhaut z.B. durch einen Kratzer verletzt, wachsen zügig gesunde
Zellen zur Deckung über das defekte Areal bevor Infektionen
auftreten und die Sehkraft beeinträchtigt wird. Dringt nun
eine Verletzung tiefer in das Hornhautgewebe ein, benötigt
der Heilungsprozess eine längere Zeit. Dies kann gelegentlich
mit größerer Schmerzempfindlichkeit, Verschwommensehen,
Tränenträufeln, Rötung oder/und ausgeprägter
Lichtempfindlichkeit einhergehen. Diese Symptome sollten einen zum
Augenarzt führen. Tiefere Wunden können überdies
zu Hornhautnarben führen, die oft eine Trübung mit deutlicher
Reduzierung der Sehkraft zur Folge haben. In solch einem Fall kann
eine Hornhautübertragung angezeigt sein, wodurch die Sehkraft
in den meisten Fällen verbessert werden kann.
Abb.: Zustand nach Verätzung der Hornhaut
mit zirkulärer Gefäßeinsprossung
Abb.: Zentrale Hornhautnarbe mit zirkulärer
Gefäßeinsprossung nach perforierender Verletzung