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Das Glaukom ("Grüner
Star")
Unter dem Begriff Glaukom ("Grüner Star") ist eine
Vielzahl unterschiedlicher Erkrankungen zusammengefasst, die gemeinsam
haben, daß Nervenfaserzellen der Netzhaut untergehen, was
zu charakteristischen Schäden am Sehnervenkopf, Gesichtsfeldausfällen
und unbehandelt letztendlich bis zur Erblindung führen kann.
Einer der Hauptrisikofaktoren ist der erhöhte Augeninnendruck.
Dabei ist zu beachten, daß der Augeninnendruck häufig
mit dem Alter zunehmend ansteigt und im Tagesverlauf insbesondere
bei Glaukompatienten um mehrere mm Hg schwanken kann. Ungünstigerweise
treten die höchsten Werte häufig nachts oder in den
frühen Morgenstunden auf. Aber auch andere Risikofaktoren
wie Durchblutungsstörungen, Neurodegeneration und Exzitotoxizität
(Absterben der Nervenfasern durch Übererregung) sowie immunologische
Erkrankungen haben in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung
gewonnen (siehe unten). Weltweit stellen die Glaukome eine der
häufigsten Erblindungsursachen dar.

Unterschiedliche Glaukomformen
Man unterscheidet zwischen primären und sekundären Glaukomen.
Bei letzteren ist die Glaukomerkrankung die Folge von anderen
Erkrankungen (z.B. Verletzungen, Entzündungen, Tumore). Die
Ursache ist also bekannt.
Das akute Winkelblockglaukom (Glaukomanfall) entsteht durch eine
Verlegung des Augenwasserabflusses. Dabei kann entweder die Irisbasis
den Kammerwinkel verschließen oder Iris und Linse können
sich aneinanderlagern, was zu einem starken Anstieg der Druckwerte
u.U. bis über 60mm Hg führt. Heftige Schmerzen und häufig
auch eine Sehverschlechterung ('Nebelsehen', 'Farbringe um Lichter')
sind die Folge. Der akute Glaukomanfall ist ein dringender Notfall
und muss sofort augenärztlich versorgt werden!
Bei angeborenen (kongenitale Glaukom) und frühkindlichen
Glaukomen liegt meist eine Störung in der Entwicklung und
Ausreifung des Kammerwinkels vor, so daß das Augenwasser
nicht ausreichend abfließen kann. Der erhöhte Druck
kann zu einer übergroßen Ausbildung von Hornhaut und
Augapfel ('Buphthalmus') führen. Bei Verdacht von Eltern
oder Kinderarzt sollte immer frühzeitig eine Untersuchung
durch den Augenarzt erfolgen, damit schnellst möglich eine
Therapie eingeleitet werden kann.
Die häufigste Glaukomform ist das sogenannte primäre
chronische Offenwinkelglaukom. Der Augeninnendruck ist hier erhöht
(meist zwischen 25 und 40mm Hg) aber der sog. Kammerwinkel im
vorderen Augensegment, in dem das Augenwasser (Kammerwasser) abfließt,
ist offen. Die Ursache für den erhöhten Augeninnendruck
ist wahrscheinlich eine Abflussstörung des Kammerwassers
durch das Trabekelmaschenwerk. Allerdings kann bei einer schlechten
Durchblutung auch ein 'normaler' Augendruck 'zu hoch' sein und
zu glaukomatösen Schäden führen (Normaldruckglaukom).
Grüner Star und Grauer Star
Aufgrund ihrer Ähnlichkeit werden diese beiden Begriffe nicht
selten verwechselt. Außer ihrem Namen habe die beiden Krankheitsbilder
jedoch nichts gemeinsam. Beim 'Grauen Star', auch Katarakt genannt,
kommt es zu einer meist langsam zunehmenden Trübung der Augenlinse,
die der Patient im Gegensatz zu Glaukomschäden selbst bemerkt.
Die Behandlung des 'Grauen Stars' ist mit Medikamenten nicht möglich.
Durch eine Operation mit Einpflanzung einer klaren Kunstlinse
kann das Sehvermögen meist deutlich verbessert werden. Im
Gegensatz dazu ist solch eine Verbesserung durch eine Glaukomoperation
('Grüner Star') leider nicht möglich, sondern der Erhalt
der bedrohten Nervenfasern steht hierbei im Vordergrund.
Welche Bedeutung hat der Augeninnendruck?
Für die Entstehung des Glaukoms sind viele Faktoren verantwortlich.
Ein erhöhter Augeninnendruck ist neben einer gestörten
Durchblutung am Sehnerv der wichtigste Risikofaktor für einen
Glaukomschaden. Ein gewisser Druck im Augeninneren ist notwendig,
damit das Auge seine kugelige Form behält. Für die Erhaltung
des Drucks ist das sogenannte Kammerwasser verantwortlich. Dies
ist eine klare Flüssigkeit, die im vorderen Augenabschnitt
zwischen Hornhaut, Iris und Linse zirkuliert. Das Kammerwasser
wird im Ziliarkörper, der hinter der Iris gelegen ist, gebildet.
Durch ein feines Kanalsystem (Trabekelmaschenwerk) kann es nach
einer gewissen Zeit wieder aus dem Auge transportiert werden.
Im gesunden Auge besteht zwischen Produktion und Abfluss des Kammerwassers
ein Gleichgewicht, das zu einem relativ konstanten Augeninnendruck
führt. Beim Glaukom kann dieses Gleichgewicht gestört
sein. Entweder wird zuviel Kammerwasser produziert oder es fließt
zuwenig Kammerflüssigkeit ab, weil der Abflussweg verstopft
ist. Der Augeninnendruck steigt an. Die schleichende Druckerhöhung
über Monate und Jahre macht zunächst keine Beschwerden.
Durch den ständig erhöhten Druck auf den Sehnerv kann
es jedoch, je nach Druckempfindlichkeit, zu einem langsam fortschreitenden
Nachlassen der Sehleistung kommen. Diese wird vom Patienten zunächst
lange nicht selbst bemerkt. Regelmäßige Untersuchungen
zur Früherkennung durch den Augenarzt sind deshalb wichtig.
Bei der Entstehung eines Glaukoms spielt die individuelle Druckempfindlichkeit
der Patienten eine große Rolle. Einige Patienten reagieren
schon auf relativ niedrige Augeninnendruckwerte mit Glaukomschäden
während andere auch bei weitaus höheren Druckwerten
kein Glaukom entwickeln. Bislang galt ein Augeninnendruck zwischen
10 und 21 mmHg als normal. In den letzten Jahren hat sich jedoch
gezeigt, daß nur etwa 50 Prozent der Offenwinkelglaukome
über den Augeninnendruck diagnostiziert werden und nur etwa
1/3 der Patienten mit einem Druck von 20-30 mmHg einen Glaukomschaden
entwickeln. Desweiteren haben 30-50 Prozent der Patienten mit
typischen Gesichtsfelddefekten einen Augeninnendruck unter 21
mmHg. So gibt es z.B. eine Gruppe von Patienten mit Offenwinkelglaukom,
bei der aber nie ein erhöhter Augendruck gemessen wurde (sog.
'Normaldruckglaukom').
Durchblutung
Diese Beobachtungen weisen darauf hin, daß es neben dem
Augeninnendruck auch eine Reihe von weiteren Risikofaktoren gibt,
die tlw. alleine, aber insbesondere auch in Kombination (multifaktorielles
Geschehen') zu der Entwicklung, aber auch dem Fortschreiten von
Glaukomschäden führen. So haben zahlreiche große
Studien ergeben, daß außer einem erhöhten Augeninnendruck
auch eine unzureichende Durchblutung des Sehnerven zu einer Schädigung
führen kannn. So besteht ein Zusammenhang zwischen Glaukomerkrankung
und kardiovaskulären (Herz-, Kreislauf-) und hämatologischen
(Blut-) Erkrankungen, erhöhte Blutviskosität etc. Nicht
nur eine arterielle Hypotonie (niedriger Blutdruck) und Hypertonie
(hoher Blutdruck), sondern auch stark schwankende Blutdruckwerte
sowie eine (über-) starke Senkung von erhöhten auf (zu)
niedrige Werte gelten als Risikofaktoren für die Progression
von Glaukomschäden. Allerdings hat der Augendruck auch Auswirkungen
auf die Durchblutung des Auges, da das Blut 'gegen' den Augendruck
in das Auge einströmen muß und beim Verlassen der Druck
in dem drainierenden venösen System dem Augendruck entspricht
und dadurch höher ist als in anderen Organen. Für die
Perfusion des Sehnerven gilt daher: mittlerer arterieller Blutdruck
in Kopfhöhe minus Augeninnendruck (= Druck in den abführenden
Venen).
Auf die Bildung des Augenwassers und des Augeninnendruck hat der
Blutdruck allerdings keinen direkten Einfluß, d.h. ein Patient
mit systemischer Hypotonie muß nicht befürchten, daß
bei einer Anhebung des Blutdruckes auf normale Werte gleichzeitig
auch der Augendruck ansteigt.
Wenn sich das Anheben des Blutdruckes als notwendig erweist, sollte
stufenweise vorgegangen werden: Nur in Zusammenarbeit mit dem
Internisten ggf. eine (über-) starke blutdrucksenkende Therapie
abschwächen, so daß bei noch akzeptabler Belastung
des Herz/Kreislaufsystems eine ausreichende Durchblutung im Gehirnbereich
erfolgen kann. Ausreichende Flüßigkeitsaufnahme (mindestens
ca. 2 Liter pro Tag), salzreiche Ernährung und möglichst
viel körperliche Bewegung (Zelltod beginnt im Fernsehsessel').
Wenn alle diese Maßnahmen nicht ausreichen, kann in Zusammenarbeit
mit dem Internisten (24 h RR-Messung!) ggf. eine niedrig dosierte
Therapie mit Mineralkortikoiden erfolgen (z.B. Fludrocortison
0,1 mg / 1 - 2 mal pro Woche). Da Patienten hierauf sehr unterschiedlich
reagieren, müssen unbedingt internistische Kontrollen mit
24 h RR-Messungen durchgeführt werden, damit kein überstarker
Anstieg entsteht. Die häufig eingesetzten Gefäß-verengenden
Kreislaufmedikamente' sollten bei Glaukompatienten nicht
angewendet werden, da sie die Durchblutung am Sehnerv eher noch
verschlechtern. Insgesamt halten wir hier eine gute Zusammenarbeit
zwischen Internist und Augenarzt für unbedingt erforderlich.
Andere wichtige Risikofaktoren
Neuere Untersuchungen weisen zudem auch auf die Beteiligung von
neurodegenerativen und immunologischen Prozessen hin. So kann
das Zugrundegehen der Nervenfasern durch eine Übererregung
ausgelöst werden. Eine entscheidende Rolle spielt hierbei
ein starkes Ansteigen der Konzentration des Neurotransmitters
Glutamat, was insbesondere über eine Erhöhung von Calcium
und Natrium in den Nervenfaserzellen zu deren Übererregung
und letztlich zu ihrem Untergang führt (Apoptose, Zelltod).
Bisher befinden sich zwar eine ganze Reihe von Medikamenten in
Erforschung, aber nur für Alpha-2-Rezeptor-Agonisten konnte
außer einer Augendruck-senkenden auch eine entsprechende
'neuroprotektive' (d.h. die Nervenfasern schützende) Wirkung
in Tierversuchen gezeigt werden. Viele andere Substanzen sind
derzeit entweder noch nicht für eine Behandlung am Menschen
zugelassen oder aber ihre Wirksamkeit konnte bisher nicht belegt
werden, wobei auch mögliche Nebenwirkungen in Betracht gezogen
werden müssen.
Gesichtsfeld
Mit Gesichtsfeld ist der Bezirk der Außenwelt gemeint, den
man, ohne das Auge zu bewegen, wahrnimmt. Untersucht wird das
Gesichtsfeld mit dem sogenannten Perimeter. Beim fortgeschrittenen
Glaukom kommt es zu Ausfällen im Gesichtsfeld. Schließlich
verengt sich das Gesichtsfeld zunehmend, bis man nur noch einen
kleinen Ausschnitt sieht.
Ungünstigerweise kann der Patient diese Ausfälle lange
Zeit selbst nicht wahrnehmen (sog. 'Negativskotome') und Augendruckwerte
um 30 mm Hg selbst auch nicht bemerken. So fällt ein Glaukomschaden
häufig erst auf, wenn das Gesichtsfeld des Patienten bereits
so stark geschädigt ist, daß er es in seinem Alltagsleben
nicht mehr kompensieren kann und z.B. über Gegenstände
stolpert oder im Straßenverkehr Unfälle verursacht.
Aus diesem Grunde halten wir augenärztliche Vorsorgeuntersuchungen
für unverzichtbar.
Bei einem Teil der Patienten lassen sich diese lange unbemerkten
Gesichtsfeldausfälle durch einen sogenannten Rauschfeld-Test
erkennbar machen (Der Patient deckt ein Auge ab und schaut mit
dem offenen Auge auf das schwarz-weiße Rauschen eines Fernsehers).
Durch das Flimmern wird tlw. die Lokaladaptation aufgehoben, so
daß diese Patienten meist in einem bogenförmigen Bereich
unter- oder oberhalb des Zentrums Unterschiede zu dem sonstigen
schwarz-weißen Flimmern erkennen (z.B. ein 'grauer' oder
ein 'dunkler' Bereich oder ein 'langsameres' Flimmern). Der Vorteil
liegt darin, daß die Patienten mit dieser Art 'Selbst-Rauschfeld-Perimetrie'
ihren Erkrankungsverlauf mitkontrollieren und dem Arzt wertvolle
Informationen geben können.
Früherkennung
Man schätzt, dass in Deutschland etwa fünf Millionen
Menschen einen zu hohen Augeninnendruck haben und dass ca. 800
Tausend Patienten am Glaukom erkrankt sind. In den westlichen
Industrieländern ist das Glaukom eine der häufigsten
Erblindungsursachen. Dramatisch dabei ist die hohe Dunkelziffer.
Dies und die Tatsache, dass das Glaukom anfangs lange keine Beschwerden
macht, zeigt deutlich, wie wichtig Früherkennung ist.
Die einzig wirklich sichere Möglichkeit, um ein Glaukom auszuschließen,
ist die regelmäßige Routineuntersuchung beim Augenarzt
(Glaukomscreening). Vom 40. Lebensjahr an sollte jeder einmal
jährlich zur Früherkennungsuntersuchung zum Augenarzt
gehen. Die alleinige Messung des Augendrucks ist dabei wie zuvor
beschrieben keineswegs ausreichend. Zusätzlich ist zumindest
die Beurteilung des Sehnervenkopfes (Papille) notwendig sowie
ggf. auch die Durchführung einer Perimetrie (Gesichtsfeldprüfung).
All diese Untersuchungen sind schmerzlos und nehmen nicht viel
Zeit in Anspruch, sie können jedoch helfen, ein Glaukom rechtzeitig
zu erkennen.
Darüber hinaus verwenden wir Geräte mit einer sehr hohen
Auflösung wie beispielsweise die sogenannte Scanning-Laser
Polarimetrie und -Tomographie. Dabei wird computerunterstützt
mit Hilfe eines schwachen Laserstrahls der Sehnervenkopf sowie
die Nervenfaserschicht der Netzhaut vermessen. Damit ist es möglich,
glaukombedingte Veränderung frühzeitig zu erkennen,
häufig noch bevor Gesichtsfeldausfälle entstehen oder
größer werden. Insbesondere im Verlauf können
Veränderungen sehr genau bestimmt werden. In speziellen Fällen
führen wir auch nicht belastende Durchblutungsmessungen am
Auge sowie weitergehende Untersuchungen in Zusammenarbeit beispielsweise
mit Internisten und Neurologen durch.
Therapie
a) medikamentös
Mit der medikamentösen Glaukomtherapie soll primär eine
Senkung des Augeninnendruckes erreicht werden. Dies hat eine Entlastung
des Sehnervs und eine Verbesserung der Nährstoffversorgung
von Netzhaut und Sehnerv zur Folge. Die Senkung des Augeninnendrucks
wird von den einzelnen Medikamentengruppen auf unterschiedlichen
Wege über eine Herabsetzung der Kammerwasserproduktion oder
über eine Verbesserung des Kammerwasserabflusses erreicht.
Es gibt jedoch auch Medikamente, die zusätzlich zur Drucksenkung
einen direkten Einfluss auf die Durchblutung haben. Mit all diesen
Medikamenten soll ein weiteres Fortschreiten der Erkrankung verhindert
werden.
Die folgenden Medikamentengruppen spielen in der momentanen Glaukomtherapie
eine Rolle:
1. Parasympathomimetika
Pilocarpin und seine verwandten Substanzen sind bereits seit 1876
im Einsatz und waren die ersten lokalen Glaukommedikamente. Sie
senken den Augeninnendruck indem sie die Kanälchen weiten,
durch die das Kammerwassers abfließt. Wegen ihrer pupillenverengenden
Wirkung (griechisch:Miosis) werden Sie auch Miotika genannt. Alte
Menschen mit einer zusätzlichen Linsentrübung fühlen
sich durch die Miosis beeinträchtigt. Aber auch jüngere
Patienten klagen über schlechtes Dämmerungssehen, Blendempfindlichkeit
und eine durch das Medikament hervorgerufene Kurzsichtigkeit.
2. Betablocker
Die Betablocker sind seit über 20 Jahren in der Glaukomtherapie
und noch länger in der Inneren Medizin bei Herzkreislauferkrankungen
im Einsatz. Stellt der Arzt keine Gegenanzeigen wie Asthma, niedriger
Blutdruck oder bestimmte Herzerkrankungen fest, so sind die Betablocker-Augentropfen
heute die Therapie der ersten Wahl. Sie müssen 1-2mal täglich
getropft werden und verursachen in der Regel lokal wenig Probleme.
Betablocker senken den Augeninnendruck über eine Drosselung
der Kammerwasserproduktion. Der am häufigsten eingesetzte
Betablocker ist das Timolol.
3. Alpha adrenerge Substanzen
Zu dieser Gruppe gehören die Substanzen Clonidin, Apraclonidin
und das relativ neue Brimonidin. Sie senken den Augeninnendrucksenkung
ebenfalls durch eine Verminderung der Kammerwasserproduktion.
Nebenwirkungen, die bei den drei Substanzen unterschiedlich ausgeprägt
sein können sind: Blutdrucksenkung, Müdigkeit und Mundtrockenheit.
4. Carboanhydsehemmer
Früher wurden Carboanhydrasehemmer in Tablettenform zur Glaukomtherapie
verordnet, was mit einer Reihe von Nebenwirkungen verbunden war.
Seit einigen Jahren gibt es auch einen Carboanhydrasehemmer (Dorzolamid)
in Form von Augentropfen, der nur noch lokal am Auge wirkt. Die
Hemmung des Enzyms Carboanhydrase führt zu einer Regulation
der Kammerwasserproduktion und damit zu einer Senkung des Augeninnendruckes.
Außerdem sprechen Untersuchungen dafür, dass durch
die Carboanhydrasehemmung auch direkt die Durchblutung am Sehnerven
und Netzhaut verbessert werden kann. Lokal kann es nach dem Eintropfen
kurzfristig zu einer Bindehautreizung und gelegentlich zu einem
metallischen Geschmack im Mund kommen.
5. Prostaglandine
Prostaglandine (Latanoprost) sind relativ neu in der Therapie.
Da diese Substanzen schon in sehr kleinen Mengen Wirkung zeigen,
sollte die einmal tägliche Gabe nicht überschritten
werden. Sie bewirken vermutlich eine Entspannung des Ziliarmuskels
und über den Ab- bzw. Umbau von Strukturen im Ziliarmuskel
einen Verbesserung des Kammerwasserabfluss. Dadurch kann der Augeninnendruck
wirksam gesenkt werden. Die Prostaglandintherapie kann in 20-25%
der Fälle zu einer Augenrötung führen. In einige
Fällen kann es zu einer dauerhaften Verfärbung der Iris
kommen. Eine weitere ungewöhnliche Nebenwirkung ist bei einigen
Patienten ein verstärktes Wimpernwachstum.
b) operativ:
Leider erreicht man nicht bei allen Patienten mit Medikamenten
den gewünschten Therapieerfolg. Außerdem kommt die
medikamentöse Glaukomtherapie an ihre Grenzen, wenn der Patient
keines der Glaukommedikamente verträgt oder er nicht regelmäßig
tropft. In solchen Fällen wird der Augenarzt über eine
Glaukomoperation oder einen Lasereingriff nachdenken. Die moderne
Augenchirurgie kennt eine ganze Reihe unterschiedlicher Verfahren,
deren Ziel es ist, den Augeninnendruck langfristig zu senken.
Häufig wird ein sogenannter filtrierender Eingriff vorgenommen.
Hierbei wird eine kleine Öffnung in die Lederhaut gestanzt,
durch die das Kammerwasser unter die Bindehaut absickern kann.
Weiterhin kann insbesondere bei fortgeschrittenen Schäden
eine tiefe Skleraresektion (Ausschneiden eines Stückchens
Lederhaut und Eröffnen des Schlemm-Kanals ohne durchgreifende
Öffnung in das Augeninnere) ggf. mit Viskokanalostomie (Anspülung
des Schlemm-Kanals mit einer speziellen hochviskösen Flüßigkeit.)
durchgeführt werden.
Auch bei Lasereingriffen gibt es verschiedene Verfahren, die für
den Patient wenig belastend sind. Das gebräuchlichste ist
die Laser-Trabekuloplastik. Mit einem Argonlaser werden kleine
Löcher in das Trabekelwerk "geschossen". Durch
das Einsetzen von Narbenbildung soll der Abfluss des Kammerwassers
verbessert werden. Wenn zum Lasern ein Kontaktglas auf das Auge
des Patienten aufgesetzt werden muß, wird das Auge vor dem
Eingriff mit Augentropfen betäubt. Direkt nach der Behandlung
kann der Patient nach Hause gehen. Leider weist die Laserbehandlung
nicht immer dauerhafte Erfolge auf.
In besonders schwierigen Fällen (z.B. sehr schlechter Allgemeinzustand
des Patienten) kann durch eine Zyklophotokoagulation (mit Laser)
oder auch durch eine Zyklokryokoagulation (mit Kälte) der
Ziliarkörper, in dem das Augenwasser gebildet wird, teilweise
verödet werden, so daß die Produktion und damit auch
der Augendruck sinkt.
Was bieten wir für unsere Glaukompatienten
an:
- umfangreiche Früherkennungs- und regelmäßige Verlaufsuntersuchungen
Prüfung von Augendruck (auch mit mehreren Tages- und wenn nötig
Nachtmessungen) -
Gesichtsfelduntersuchung
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Bilddokumentation des Sehnervenbefundes
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Sehnervenvermessung (Scanning Laser Tomographie)
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Nervenfaserschichtdickenbestimmung (Scanning Laser Polarimetrie)
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Messung der Durchblutung am Auge (POBF) und am Sehnervenkopf (SLDF)
und Abklärung möglicher Durchblutungsstörungen auch in Zusammenarbeit mit anderen medizinischen
Abteilungen (Innere Medizin, HNO, Immunologie, etc.)
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Einstellung der medikamentösen Therapie
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gesamtes Spektrum der Glaukomoperationen
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Diagnostik, medikamentöse und operative Therapie von angeborenen
und kindlichen Glaukomen
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klinische und experimentelle Forschung (Link auf Forschungsbericht)
Autor: Prof. Dr. K.-P. Steuhl
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