Dabei können sich die Augenmuskeln in den Bruchspalt einklemmen.
Die aktive und passive Augapfelbeweglichkeit wird dadurch eingeschränkt.
Wird auch ein Nerv verletzt, erschlafft der Augenmuskel. Bei einer
Blow-out-Fraktur ist eine Operation erforderlich; bei einer Nervenläsion
muß man die spontane Regeneration abwarten.
- Sehr häufig sind auch Entzündungen der Augenhöhle,
die ganz akut oder auch schleichend verlaufen können.
Drei der vier Augenhöhlenwände grenzen an die Nasennebenhöhlen
und sind sehr dünn. So können infektiöse Nasennebenhöhlenentzündungen
auf die Augenhöhle übergreifen. Die Entzündung des
Augenhöhleninhaltes führt zu einer schmerzhaften Bewegungs-einschränkung
meist in allen Blickrichtungen mit Doppelbildwahrnehmung und Lidschwellungen.
Eine Antibiotikagabe mit Nasennebenhöhlensanierung behebt die
Erkrankung schnell.
Zum Verwechseln ähnliche Symptome können akute, nicht
infektiöse (Rheuma ähnliche Erkrankungen) Entzündungen
der Augenmuskeln oder des Augenhöhlenbindegewebes verursachen.
Die Patienten erleiden ebenfalls eine schmerzhafte Bewegungs-einschränkung
mit Lidschwellung. Bei solchen Krankheiten helfen jedoch Antibiotika
überhaupt nicht. Eine längerfristige Kortisoneinnahme
ist oft die Behandlung der Wahl.
Eine chronische, nicht infektiöse Entzündung von Augenmuskeln
und Augenhöhlen-bindegewebe kann im Rahmen einer Schilddrüsenüberfunktion
vom Typ Morbus Basedow auftreten. In schweren Fällen quellen
durch Muskelverdickung und Bindegewebs-vermehrung die Augäpfel
aus der Augenhöhle und die Lidspalten sind weit geöffnet
(Exophthalmus), man spricht von einer endokrinen Ophthalmopathie,
weil die Schilddrüsenhormonproduktion erhöht ist.
Abbildung 2 (Linkes Auge): Verkürzung des unteren Augenmuskels,
dadurch Hebungs-einschränkung vertikale Schielstellung nach unten
Gefährliche Komplikationen, wie Austrocknen der Hornhaut, Hornhautgeschwüre
und Sehnervenschäden, können einen chirurgischen Eingriff
erfordern. Die chronische Entzündung der Augenmuskeln führt
zur narbigen Verkürzung und Verdickung der Muskeln und damit
zum Teil zu erheblichen Schielstellungen mit Doppelbildwahrnehmung.
- Tumoren machen 25% aller Augenhöhlenerkrankungen aus. Dadurch
daß sie den Augapfel verdrängen, sind sie entsprechend
häufig die Ursache für Doppelbilder.
Die Behandlung der meisten Augenhöhlenerkrankungen erfordert
eine enge interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Augenarzt,
Gesichtschirurgen, Neurochirurgen, HNO-Ärzten und Radiologen.
Bei wechselnden Schielstellungen im Krankheitsverlauf vermeidet
man Doppelbildwahrnehmung durch Verdecken eines Auges oder eine
Brille mit Prismengläsern. Nach Behandlung der Ursachen werden
zum Teil
Eingriffe an den Augenmuskeln notwendig (Straffung gelähmter
Augenmuskeln, Lockerung entzündlich verkürzter Muskeln).
Zuvor müssen regelmäßige Schielwinkelmessungen
vorgenommen werden, um den richtigen Zeitpunkt für die Operation
festzulegen.
Erkrankungen der Hirnnerven
Im Vergleich zur Augenhöhle führen Lähmungen der
Hirnnerven immer zu charakteristischen Schielstellungen.
Der 4. Hirnnerv versorgt den oberen schrägen Augenmuskel.
Dadurch kann das betroffene Auge nicht nach unten zur Nase gesenkt
und nicht nach innen gerollt werden. Der Patient hat höhenversetzte
und verkippte Doppelbilder, vor allem wenn er den Kopf zur kranken
Seite neigt oder nach unten schaut.
Der 6. Hirnnerv versorgt den äußeren geraden Augenmuskel.
Bei einer Lähmung kann sich das Auge nicht mehr nach außen
bewegen und dreht nach innen ab.
Der 3. Hirnnerv versorgt die restlichen vier Muskeln. Bei Lähmung
ist sowohl die Bewegung des Augapfels zur Nase als auch der Auf-
und Abblick eingeschränkt. Das Auge gleitet nach außen.
Da der Nerv zusätzlich den Lidhebermuskel und die Pupille
versorgt, kann auch das Lid herabhängen und die Pupille kann
sich nicht mehr verengen.
- Am häufigsten verursachen isolierte Durchblutungsstörungen
im Zusammenhang mit einem schon lange Zeit bestehenden Diabetes
mellitus diese peripheren Hirnnervenläsionen; dabei ist meist
der 6. Hirnnerv von der Lähmung betroffen. Andere Risikofaktoren
für Gefäßverschlüsse sind Bluthochdruck,
Nikotinabusus und Thromboseneigung.
- Isolierte Lähmungen des 4. Hirnnervs sind fast immer durch
ein Trauma bedingt. Von den drei die Augenmuskeln versorgenden
Nerven ist er am anfälligsten bei Schädel-Hirn-Traumata.
Typisch sind beidseitige Lähmungen ohne erkennbares Schielen,
da sich die Abweichungen in der Höhe gegenseitig aufheben.
Der Patient sieht jedoch besonders beim Blick nach unten stark
verkippte Doppelbilder.
- Die Lähmung des 6. Hirnnervs (vor allem beidseitig) ist
auch ein häufiges Hirndrucksymptom, hervorgerufen durch direkte
Kompression des Nervs (Volumenzunahme im Gehirn durch Tumor, Blutung
u.a.). Für den Augenarzt ist die Gefahr beim Blick auf den
Sehnerv sofort erkennbar. Der Patient wird unverzüglich zur
Weiterbehandlung in eine Klinik eingewiesen. Tumoren können
auch direkt die Hirnnerven komprimieren und dadurch lähmen.
Nachdem die spezifischen Ursachen behandelt worden sind, wartet
man bei der peripheren Nervenläsion die spontane Regeneration
ein Jahr lang ab. Danach kann die korrigierende Schieloperation
erfolgen. Zwischenzeitlich trägt der Patient eine Brille mit
Umkehrprismen oder einer Augenklappe zur Vermeidung von Doppelbildern.
Anfangs hat er durch die Lähmung ein gestörtes Raumempfinden,
greift daneben und fühlt sich schwindelig. Beim Blick in die
Zugrichtung des gelähmten Muskels wird der Schielwinkel größer.
Meist versuchen die Patienten diese Beeinträchtigung durch
eine entsprechende Neigung des Kopfes auszugleichen.
Erkrankungen im Bereich der Hirnnervenkerne und der Verbindungen
zum motorischen Blickzentrum
Durch die Impulse aus den Blickzentren werden immer die in die gleiche
Richtung agierenden Muskeln vom rechten und linken Auge gemeinsam
aktiviert.
- Einige Nervenbahnen sind entwicklungsgeschichtlich schon sehr
alt und werden seltsamerweise besonders häufig bei Multipler
Sklerose befallen. So eine Störung der Verbindung zwischen
zwei Hirnnervenkernen hat zur Folge, daß beim Versuch, zur
Seite zu blicken, nur ein Auge "gehorcht", während
das andere stehen bleibt.
- Besondere Beachtung verdienen Störungen der Konvergenz
mit und ohne Störungen der Akkommodation. Nach Schädel-Hirn-Traumata
treten diese Störungen bei 10 bis 20 Prozent der Patienten
auf. In den meisten Fällen bilden sie sich glücklicherweise
wieder zurück. Bleibt dies aus, sieht der Patient in der
Nähe verschwommen bzw. doppelt, weil der zentrale Impuls
fehlt, der beim Fixieren eines Objektes in der Nähe die Einwärtsbewegung
beider Augäpfel bewirkt. Das aber ist die Voraussetzung dafür,
daß ein Objekt auf den korrespondierenden Netzhautstellen
des rechten und linken Auges abgebildet und zentral zu einem Bild
verarbeitet werden kann.
Resümee:
Doppelbilder können viele sehr unterschiedliche Ursachen
haben. Gemeinsam ist allen, daß sie durch die augenärztliche
Untersuchung am schnellsten aufgedeckt werden. Hier ist die sichere
Diagnose gewährleistet und die geeignete Therapie. Wie die
Beispiele zeigen, erfordert sie oftmals eine interdisziplinäre
Zusammenarbeit zwischen Augenarzt, Internisten, HNO-Arzt, Radiologen,
Immunologen, Neurologen und Neurochirurgen.
Sehschule / Orthoptik: Sprechstunde
>> Doppelbilder >>
Orbitopathie