Adernhautmelanom: Protonentherapie
Therapie durch Protonenstrahlen
Eine Alternative zur
Behandlung
mit Strahlenträgern bietet die Bestrahlung von außen
mit Protonen (Teletherapie), das heißt mit einem Teilchenstrahl
aus Kernen des Wasserstoff-Atoms. Diese spezielle Form der Strahlung
kann nur an wenigen Orten in der Welt erzeugt werden. Es ist hierzu
nötig, eine technisch extrem aufwendige Anlage, ein sogenanntes
Cyclotron, zur Verfügung zu haben. Gegenwärtig wird diese
Form der Therapie an wenigen Orten durchgeführt.
Der entscheidende Vorteil besteht darin, daß diese Art von
Strahlen wesentlich präziser auf ein umgrenztes Zielvolumen
gerichtet werden kann. Je nach benötigter Eindringtiefe werden
die Teilchen auf die benötigte Energie "beschleunigt".
Sie erreichen dann das berechnete Ziel, verlieren hier ihre restliche
Energie und führen punktgenau zur höchsten Strahlendosis
am gewünschten Ort. Das Gewebe seitlich und hinter dem
Tumor
wird somit weitgehend geschont. Die Protonentherapie wird beim
Aderhautmelanom
schon seit Mitte der siebziger Jahre eingesetzt. Am besten sind
die Resultate bei Tumoren mit einem Durchmesser bis zu 15 Millimetern
Durchmesser, die mehr als 3 Millimeter vom
Sehnerven
oder der Stelle des schärfsten Sehens entfernt sind.
Zur Therapie mit Protonenstrahlen müssen vor der Durchführung
die Ränder des Tumors am Auge markiert werden. Dies ist notwendig,
um mit dem Protonenstrahl exakt auf den Tumor im Auge zielen zu
können.
Hierzu wird in einer Operation, die in Vollnarkose durchgeführt
wird, außen auf dem Auge der Rand des Tumors durch die Aufnähung
von kleinen Metallscheibchen markiert. Diese werden als
Tantalum-Clips
bezeichnet. Zur exakten Planung der Bestrahlung müssen nach
Durchführung der Operation nochmals spezielle Röntgen-Schichtuntersuchungen
in Form einer Computertomographie durchgeführt werden. Nachdem
die Ränder des Tumors mit den Tantalum-Clips markiert sind
und die Größe und Form des Tumors im Auge präzise
bestimmt wurde, kann nach umfangreicher Planung die Bestrahlung
des Tumors durchgeführt werden. Die Bestrahlung erfolgt dann
im Behandlungsraum des Cyclotrons. Diese Form der Behandlung kann
in Berlin im Hahn-Meitner-Institut durchgeführt werden.
Im Behandlungsraum befindet sich das Strahlrohr, aus dem der Protonenstrahl
austritt. Es ist der letzte Teil der Strecke, die der Teilchenstrahl
bei seiner Beschleunigung durchläuft. Mit einem präzise
gesteuerten Behandlungsstuhl wird der Patient dicht vor die Austrittsöffnung
des Strahlrohres gefahren.
Eine Maske und ein Beißblock helfen ihm, seinen Kopf zu
fixieren; eine Narkose ist nicht erforderlich. Mit Hilfe der zuvor
in der Klinik auf das Auge aufgenähten Tantalum-Plättchen
läßt sich nun die Position des Tumors über Röntgenaufnahmen
exakt bestimmen.
Abb.: Patient im Behandlungsraum des Cyclotrons
So kann der Patient mehr als einen Millimeter
genau positioniert werden, selbst bei wiederkehrenden Behandlungen.
Aus einem Kontrollraum geschieht die Überwachung der Protonenbestrahlung.
Eine Bestrahlung, von der der Patient selbst nichts spürt,
dauert etwa eine Minute. Zur Behandlung sind in der Regel vier Sitzungen
erforderlich, die innerhalb einer Woche durchgeführt werden.
Für die Vorbereitung des Patienten, zu der z.B. die Anfertigung
einer eigenen Gesichtsmaske gehört, muß nochmals ca.
eine Woche gerechnet werden, so daß für die gesamte Behandlung
ein Zeitraum von ca. 2 Wochen benötigt wird.
Einer der wesentlichsten Vorteile der Protonen-Therapie ist die
Möglichkeit, mit dieser Methode nahezu ausschließlich
den Tumor selbst zu bestrahlen, ohne daß es zu einer stärkeren
Bestrahlung der benachbarten Gewebe kommt.
Ob die Bestrahlung eines Aderhautmelanoms mit Protonen möglich
ist, hängt insbesondere von der Größe und der
Lage des Tumors im Auge ab. Nicht jeder Tumor ist mittels einer
Protonenbestrahlung therapierbar.
Ob diese spezielle Form der Therapie in Ihrem Fall in Frage kommt,
muß in einem individuellen Gespräch mit Ihrem Arzt geklärt
werden. Nach der Bestrahlung kommt es normalerweise im Laufe von
Monaten zu einer langsamen Verkleinerung des Tumors. Ob die Therapie
erfolgreich war muß durch regelmäßige Untersuchungen
des Auges kontrolliert werden. Diese Kontrollen werden normalerweise
ambulant in unserer Tumorsprechstunde durchgeführt.
Welche Folgen kann eine Strahlentherapie mit sich bringen?
In den allermeisten Fällen wird der Tumor durch die Bestrahlung
unwiderruflich geschädigt. Die abgestorbenen Tumorzellen werden
im Auge im Rahmen einer Entzündungsreaktion vom Körper
abgebaut. Meist verschwindet der Tumor in der Folge nicht vollständig,
sondern es verbleibt eine zeitlebens sichtbare Narbe im Bereich
des ehemaligen Tumors.
Nicht in allen Fällen gelingt es jedoch, durch die Strahlentherapie
das Tumorwachstum aufzuhalten. Es ist daher notwendig, nach der
Bestrahlung in regelmäßigen Abständen über
lange Zeit hinweg den Befund im Auge zu kontrollieren. Sollte
sich dabei zeigen, daß der Tumor nicht vollständig
zerstört ist und weiterhin ein Wachstumsverhalten aufweist,
so müssen dann weitere therapeutische Schritte veranlaßt
werden.
Komplikationen der Strahlentherapie können sich insbesondere
durch die Bestrahlung der
Netzhaut
selbst entwickeln. Dieses Krankheitsbild wird Strahlenretinopathie
genannt. Sollte der Sehnerv selbst eine hohe Strahlendosis erhalten
haben, so kann dies in einem teilweisen oder vollständigen
Verlust von Nervenfasern einmünden. Dies kann vom Patienten
durch eine deutliche Sehverschlechterung bis hin zur Erblindung
bemerkt werden. In einigen Fällen kann es infolge der Netzhaut-
oder Sehnervenbestrahlung zu Blutungen und Durchblutungsstörungen
im Auge kommen. Diese Spätkomplikationen können dann ebenfalls
zu einem teilweisen oder vollständigen Verlust des Sehvermögens
führen.
Infolge einer Mitbestrahlung der
Linse
kann sich diese in der Folge eintrüben und eine sogenannte
Strahlenkatarakt entwickeln. Diese
Katarakt
kann dann gegebenenfalls mittels einer normalen Operation wie sie
auch bei alterbedingten Linsentrübungen (grauer Star) angewendet
wird, entfernt werden.
Wenn bei der Bestrahlung des Auges auch die äußeren
Anhangsgebilde, wie die Tränendrüse, mitbetroffen wurden,
so kann dies beim Patienten ein chronisches Trockenheitsgefühl
und eine Irritation (Reizung) des Auges auslösen. Diese Beschwerden
können durch die regelmäßige Anwendung von Augentropfen
(künstliche Tränen) oftmals gut therapiert werden.
In einigen Fällen, in denen die Augenlider mitbestrahlt werden
müssen, kann es zum dauerhaften Verlust der Wimpern kommen.
Durch die notwendige Mitbestrahlung der äußeren Augenhülle
des Auges, der
Lederhaut, kann
es zu einer starken Verdünnung dieser Hülle des Auges
kommen. Wenn diese Verdünnung im Laufe der Zeit weiter fortschreitet,
kann dies zu gravierenden Komplikationen, bis zum Verlust des Auges
führen.
Wenn es infolge der Bestrahlung im Bereich der Augenhöhle
zu entzündlichen Verwachsungen zwischen den Augenmuskeln
und den umgebenden Geweben der Augenhöhle kommt, kann die
Beweglichkeit des Augapfels eingeschränkt sein. Der Patient
nimmt dann Doppelbilder wahr.
Das Auftreten dieser Komplikationen kann im Einzelfall nicht
sicher vorhergesagt werden. Jedoch kann oftmals aufgrund der Lage
und Größe des Tumors schon im Vorfeld mit Ihnen besprochen
werden, mit welcher Wahrscheinlichkeit Sie mit dem Auftreten von
etwaigen Komplikationen rechnen müssen.
Ihr behandelnder Arzt wird Sie hierüber in einem persönlichen
Gespräch nochmals gezielt aufklären.
Informationsmaterial für Patienten mit Aderhautmelanom
© Zentrum für Augenheilkunde - Universitätsklinikum
Essen
Autoren: A. Schüler, N. Bornfeld