Diese Prothese wird in den schmalen Spaltraum
hinter den Augenlidern eingeführt. Wenn sich nun das andere
Auge bewegt, wird über die in der Augenhöhle verbliebenen
Augenmuskeln auch die eingesetzte Glasprothese in einem gewissen
Umfang mitbewegt. Die Bewegung des Glasauges kann dabei natürlich
nicht so stark ausfallen wie beim noch vorhandenen Auge. Die im
Alltag meist auftretenden Augenbewegungen werden von dem Glasauge
in der Regel normal mitgemacht.
Eine gut angepaßte Glasprothese kann oftmals kaum von einem natürlichen
Auge unterschieden werden.
Welche Konsequenzen hat die Entfernung des Auges?
Die Entfernung des Auges entfernt auch gleichzeitig den
Tumor,
der sich in dem Auge befindet. Eine vollständige Sicherheit,
daß keine Tochtergeschwülste entstehen können, ist
damit allerdings nicht gegeben. Mit der Entfernung des Auges geht
natürlich auch die Sehfähigkeit dieses Auges verloren.
Der Verlust dieser Sehfähigkeit ist unwiderruflich. Da nur
noch ein intaktes Auge nach dem Eingriff verbleibt, resultiert auch
nur ein kleineres Gesichtsfeld insbesondere auf der Seite, auf der
das Auge entfernt wurde.
Für praktische Belange bedeutet dies z.B. im Straßenverkehr,
daß von der Seite des entfernten Auges kommende Autos erst
sehr viel später wahrgenommen werden.
Mit dem Verlust eines Auges verliert man gleichzeitig auch einen
großen Teil des räumlichen Sehvermögens (Stereopsis).
Durch Übung durch alltägliche Tätigkeiten kann
eine Anpassung erreicht werden, so daß für praktische
Belange nur eine begrenzte Beeinträchtigung besteht.
Viele Menschen haben durch Unfälle oder andere Ereignisse
im Laufe ihres Lebens ein Auge verloren und führen trotzdem
ein völlig normales produktives Leben.
Die kosmetischen Ergebnisse nach der Entfernung eines Auges und
der folgenden Anpassung eines künstlichen Glasauges sind
in der Regel relativ gut. Das künstliche Auge kann sich,
wie bereits angeführt, nicht ganz so normal bewegen wie ein
natürliches Auge. Es zeigt in vielen Blickrichtungen eine
abweichende Blickrichtung von dem noch sehenden eigenen Auge.
Zusätzlich kommt es in manchen Fällen vor, daß
die Stellung der Augenlider im Vergleich zum eigenen Auge etwas
abweichend ist.Trotz all dieser möglichen Probleme sei nochmals
darauf hingewiesen, daß das kosmetische Erscheinungsbild
nach der Entfernung des Auges meist recht gut ist.
Unmittelbar nach der operativen Entfernung des Auges (Enukleation)
können für einige Tage Schmerzen auftreten, die doch
durch Schmerzmittel gut beherrscht werden können. Mögliche
Komplikationen dieses Eingriffes sind insbesondere ein Bluterguß
im Bereich der Augenhöhle sowie eine mögliche Infektion,
die ggf. sogar die Entfernung des eingesetzten Implantates aus
der Augenhöhle notwendig werden lassen kann.
Insgesamt sind ernsthafte Komplikationen bei diesem Eingriff
jedoch sehr selten.
Vor einigen Jahren wurde eine Theorie aufgestellt, wonach während
der Entfernung des Auges eine Streuung von Tumorzellen über
die Blutgefäße hervorgerufen werden kann. Dies könnte
dann zur Bildung von Tochtergeschwülsten und somit zum Tod
des Patienten führen. Diese Theorie konnte jedoch nie bewiesen
werden und ist nicht allgemein akzeptiert.
Auch bei anderen Therapieformen, wie der
Applikatoraufnähung,
der vorbereitenden Operation für die Protonentherapie oder
der Kältebehandlung, wie auch der chirurgischen Entfernung
des Tumors aus dem Auge, bestünde genauso das theoretische
Risiko einer Streuung von Tumorzellen während des Eingriffes.
Informationsmaterial für Patienten mit Aderhautmelanom
© Zentrum für Augenheilkunde - Universitätsklinikum
Essen
Autoren: A. Schüler, N. Bornfeld